Windmühle
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Errichtet 1865, ist sie heute die einzige Windmühle in den Regionen Oldenburger Land und Ost-Friesland, die noch gewerblich betrieben wird, und darüber hinaus die einzige ihrer Art deutschlandweit mit einem angeschlossenen aktiven Sägewerk. Sie ist Station der Friesischen Mühlenstraße und wurde vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege als Denkmal ausgewiesen.
Über Uns
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Unsere Produkte
Bei uns werden auch heute, wie seit jeher, mit Windkraft vielfältige Getreide gemahlen, gequetscht und nach traditionellen Rezepturen gemischt. Weizen, Roggen, Dinkel, Hafer und weitere Getreidearten finden Sie als Mehle, Müslimischungen und Schrot in unserem Mülenladen.
Technik
Die Rutteler Mühle ist eine klassische, etwa 25 Meter hohe Galerieholländerwindmühle mit zwei Stockwerken im Ziegelunterbau. Ihre Jalousieklappenflügel sind jeweils 21 Meter lang und 2,1 Meter breit. Am küstennahen, nordwestdeutschen Standort reicht die Windstärke an etwa 200 Tagen im Jahr für den Mahlbetrieb aus. Für die Mühle allein sind vier bis sechs Beaufort ideal, zwischen sechs und acht Beaufort können Mühle und Sägewerk zusammen genutzt werden. Ab einer Windstärke von acht Beaufort muss der Betrieb jedoch eingestellt werden, weil die Kräfte von der Mühle nicht mehr bewältigt werden können. Eine Verdopplung der Windgeschwindigkeit bedeutet stets eine Vervierfachung der Windkraft.
Die Getreidereinigung ist – wie in Mühlen üblich – in zwei Prozesse aufgeteilt, die an der Rutteler Mühle auch örtlich getrennt sind. Zunächst erfolgt die sogenannte Schwarzreinigung (zum Beispiel Mutterkorn und Steine) außerhalb der Mühle, um diese nicht durch etwaige Pilzsporen zu verunreinigen, und anschließend werden im Inneren während der sogenannten Weißreinigung beispielsweise Spelzen, Mikroorganismen, Staub, Unkraut und Blattwerk entfernt. In der Folge wird das Getreide über ein Becherwerk nach oben befördert und in das Mahlwerk geschüttet. Um einen Abrieb der Mühlsteine zu vermeiden, sind sie aus besonders hartem Graubasalt gefertigt. Sie werden einmal pro Jahr von Hand nachgeschliffen. Ausgestattet ist die Mühle mit drei Mahlgängen und einem Quetsch-oder Peldegang, in denen das Getreide je nach Bedarf gemahlen, geschrotet und gequetscht werden kann.
Das Sägewerk ist eine horizontale Gattersäge von Göde aus Berlin. Sie kann Baumstämme von bis zu einem Meter Durchmesser bearbeiten und lässt sich auch ausreichend langsam fahren, um sehr hartes oder stark verharztes Holz zu zerkleinern.
Geschichte
Im Zuge der Weltwirtschaftskrise ab 1929 wurde der Betrieb der Mühle rasch unrentabel und sie verfiel zusehends. Drei Jahre später hatte sie nur noch einen Flügel und Gläubiger hatten zahlreiche Maschinen ausgebaut. Zudem gehörten lediglich noch 3,5 Hektar Ackerland zur Mühle. In diesem Zustand übernahm sie 1932 der Greetsieler Müller Peter Egenhoff. Für die nächsten 89 Jahre blieb die Mühle im Familienbesitz. Egenhoff sanierte sowohl das Gebäude als auch die Technik und erwarb eine Schälmaschine, um aus Gerstenkörnern Perlgraupen produzieren zu können. Die Sägerei hingegen gab er auf. Im Jahr 1948 wurde die Mühle um ein Nebengebäude aus Torfziegeln mit Mahlwerk erweitert. In zweiter Generation übernahm 1969 Peter Egenhoffs Sohn Wilhelm (1929–2020) die Mühle. Er ließ sie 1980 gründlich renovieren, wobei die Windrichtungsnachführung, die Flügel und Teile der Kappe – also des oberen, drehbaren Teils – erneuert wurden. Zu dieser Zeit wurden pro Monat knapp 20 Tonnen Backschrot produziert. Nach über einem halben Jahrhundert wurde 1983 das Sägewerk mit horizontalen Sägegatter wieder an die Mühle angeschlossen. Es diente zwar nur noch dem Eigenbedarf, war aber ein einmaliges, funktionstüchtiges technisches Denkmal im Nordwesten Deutschlands. In jenem Jahrzehnt machte sich in der Region allerdings verstärkt das Höfesterben bemerkbar und die Mühle hatte kaum noch Kunden.
Peter Egenhoff jun. trat 1991 die Nachfolge seines Vaters an. Er baute die Futtermittelherstellung aus und eröffnete 1993 das Mühlen-Café; später kam noch ein Hofladen hinzu. Im Jahr 1998 wurden die Kappe und die Flügel erneuert, Letztere dabei mit Cortenstahl, einem wetterfesten Baustahl, um sie witterungsresistenter zu machen. Zuletzt wurden Futtermittel, Backschrot und Feinmehl produziert. Ende November 2020 wurde bekannt, dass die Mühle verkauft werden sollte, und zwei Monate später – Ende Januar 2021 – erwarben Florian Topp, ein Mathematiker und Pianist aus Horsten, sowie Henrike Tabouret den Mühlenhof.
Erlebnishof
Während Peter Egenhoff seit 1991 die Windmühle betrieb und weiterentwickelte, baute sein Vater Willi vier kleine Windmühlen, die neben ihrer großen Mühlenschwester zu besichtigen sind. Auch diese sind funktionstüchtig und kleine und große Besucher können hier den kompletten Prozess vom Korn zum Mehl miterleben. Zudem gibt es noch eine Lok, den "Mühlenexpreß", und eine blitzschnelle, handbetriebene Lore zu erkunden.
Besonders stimmungsvoll ist die sechs Meter hohe Weihnachtspyramide, die alljährlich pünktlich zum 1. Advent errichtet wird. Im Café sind zahlreiche Gemälde vom Künstler, und damaligem Müller, Willi Egenhoff zu entdecken.


